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Montag, 16. August 2010

Der Unterschied zwischen dem Verliebtsein und der Liebe

Bevor wir über diese Frage philosophieren, zuerst mal ein Text von Max Frisch, der unbedingt gelesen sein muss:
...

Du sollst dir kein Bildnis machen (Max Frisch)

Es ist bemerkenswert, dass wir gerade von dem Menschen, den wir lieben am mindesten aussagen können, wie er sei.

Wir lieben ihn einfach. Eben darin besteht ja die Liebe, das Wunderbare an der Liebe, dass sie uns in der Schwebe des Lebendigen hält, in der Bereitschaft, einem Menschen zu folgen in allen seinen möglichen Entfaltungen. Wir wissen, dass jeder Mensch, wenn man ihn liebt, sich wie verwandelt fühlt, wie entfaltet, und dass aus dem Liebenden sich alles entfaltet, das Nächste, das lange Bekannte. Vieles sieht er wie zum ersten Male. Die Liebe befreit es aus jeglichem Bildnis. Das ist das Erregende, das Abenteuerliche, das eigentlich Spannende, dass wir mit den Menschen, die wir lieben, nicht fertig werden: weil wir sie lieben, solange wir sie
lieben. Man höre bloß die Dichter, wenn sie lieben, sie tappen nach Vergleichen, als wären sie betrunken, sie greifen nach allen Dingen im All, nach Blumen und Tieren, nach Wolken, nach Sternen und Meeren. Warum? So wie das All, wie Gottes unerschöpfliche Geräumigkeit, schrankenlos, alles Mögliche voll, aller Geheimnisse voll, unfassbar ist der Mensch, den man liebt. Nur die Liebe erträgt ihn so.
Unsere Meinung, dass wir das andere kennen, ist das Ende der Liebe, jedes Mal, aber Ursache und Wirkung liegen vielleicht anders, als wir anzunehmen versucht sind . nicht weil wir das andere kennen, geht unsere Liebe zu Ende, sondern umgekehrt: weil unsere Liebe zu Ende geht, weil ihre Kraft sich erschöpft hat, darum ist der Mensch fertig für uns. Er muss es sein. Wir können nicht mehr! Wir kündigen ihm die Bereitschaft, auf weitere Verwandlungen einzugehen.
Wir verweigern ihm den Anspruch auf alles Lebendige, dass unfassbar bleibt, und zugleich sind wir verwundert und enttäuscht, dass unser Verhältnis nicht mehr lebendig sei.
Du bist nicht., sagt der Enttäuschte oder die Enttäuschte,. wofür ich dich gehalten habe..
Und wofür hat man sich gehalten?
Für ein Geheimnis, das der Mensch ja immerhin ist, ein erregendes Rätsel, das anzuhalten wir müde geworden sind.
Man macht sich ein Bildnis. Das ist das Lieblose, der Verrat ...
Du sollst dir kein Bildnis machen, heißt es von Gott. Es dürfte auch in diesem Sinne gelten:
Gott als das Lebendige in jedem Menschen, das, was nicht erfassbar ist. Es ist eine
Versündigung, die wir, so wie sie an uns begangen wird, fast ohne Unterlass wieder begehen .
Ausgenommen, wenn wir lieben.

Der Unterschied zwichen dem Verliebtsein und der Liebe

Ein Text, der fasziniert und zum nachdenken anregt...so erging es mir jedenfalls, als wir diesen Text vor gut 2 Jahren in der Schule gelesen hatten...er blieb mir die ganze Zeit im Gedächtnis..und ich hab bis heute nicht die genaue Aussage und Bedeutung verstanden...oder ich kann es einfach nicht nachvollziehen...oder besser gesagt, ich will überhaupt nicht so genau nachvollziehen können was da gemeint ist...

Verliebt man sich, macht man sich ein Bildnis der anderen Person, des Partners...man ist wie geblendet, die Person steckt in eine Art Kapsel die sie umhüllt und uns etwas vorgaukelt...man erschafft sich selbst einen Traum, eine wahr gewordene Perfektheit...alles ist wunderbar...man empfindet die Person als übernatürlich und volkommen...sie ist unverbesserlich und für einen geschaffen, egal was sie tut...
Desto länger man mit der Person zusammen ist, desto mehr man sie kennen lernt...umso mehr verschwindet die Kapsel und löst sich auf...das Bildnis wird zunichte gemacht...der wahr gewordene Traum zerplatzt...man sieht nun die Realität...das wahre Gesicht des anderen...
und wenn man DANN noch die Person als liebenswert empfindet...dann ist es Liebe... und nicht mehr Verliebtsein.




 

2 Kommentare:

  1. Wunderschön. Richtig weise. Ich mag deine Gedanken, die Art wie du schreibst. Du bist einfach super! Ich kann so vieles verstehen was du schreibst.

    Deine Lieblingsaltistin <3

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  2. Maria... De Text isch eifach perfekt. <3

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